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Die Arbeitskreise der Sektion Professionssoziologie

 

In den letzten Jahren wurde verschiedentlich das Interesse geäußert, bestimmte Probleme der Professionsforschung im Rahmen von Arbeitskreisen vertiefend zu bearbeiten. Sie finden auf dieser Seite Kurzdarstellungen des Programms von acht Arbeitskreisen, die gewissermaßen den Auftakt ihrer Arbeit bilden.

Interessentinnen und Interessenten sind herzlich eingeladen, sich an die jeweiligen Organisatoren zu wenden.

 

 

1. Intersektionaler Arbeitskreis „Expertenwissen“

 

Die Frage nach dem besonderen Wissen von Professionellen bzw. dem Sonderwissen von Professionen begleitet die Professionssoziologie von Anfang an, wird häufig aber nicht explizit gestellt. In den unterschiedlichen Kriterienkatalogen für Professionen, anhand derer in den Anfängen der Professionssoziologie versucht wurde, diese von Berufen abzugrenzen, war „Wissen“ allerdings immer als eine bedeutsame Kategorie aufgeführt.

Mit der Frage nach der Art des für Professionen bzw. Professionelle kennzeichnenden Wissens – theoretisches und/oder praktisches Wissen? Wissenschaftliches und/oder alltägliches Wissen? Spezialisten- und/oder Generalistenwissen? usw. – verbindet sich auch die Frage nach den Trägern dieses Wissens: Sind Professionelle Spezialisten, Experten, Intellektuelle? Ist der Professionelle die moderne Form des Experten? Was unterscheidet ihn von anderen Expertentypen?

Spätestens mit der Frage nach der „social role of the man of knowledge“ (Florian Znaniecki) also verschränkt sich dementsprechend das professionssoziologische Interesse mit dem der Wissenssoziologie. Deshalb ist der Arbeitskreis „Expertenwissen“ als ein diese beiden DGS-Sektionen verbindendes Netzwerk von und für Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler(n) konzipiert, die am Themenfeld ‚Sonderwissensbestände und deren Träger’ interessiert sind. Denkbar sind verschiedene Formen der Zusammenarbeit: vom persönlichen Austausch über Begegnungen im Rahmen von Workshops und Tagungen bis hin zu Forschungs- und Publikationskooperationen. Der Arbeitskreis dient dabei insbesondere auch dem Zweck, den kollegialen Wissensaustausch über den deutschsprachigen Raum hinaus anzuregen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer                           

Universität Karlsruhe (TH)                         

Lehrstuhl für Soziologie (Kompetenzerwerb)      

Tel. 0721/608-5414; 5413                        

pfadenhauer@soziologie.uka.de             

 

Prof. Dr. Ronald Hitzler

Technische Universität Dortmund

Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie

Tel. 0231/755-2817; -2869

ronald@hitzler-soziologie.de

 

 

2. Arbeitskreis „Professionalität und Kompetenz“

 

Kompetenz ist bisher nicht auffällig als eigenständiger Begriff in der Soziologie in Erscheinung getreten. Demgegenüber wird der Kompetenzbegriff insbesondere in der Empirischen Bildungsforschung seit einigen Jahren ins Zentrum vieler Untersuchungen gestellt.

Für die Professionssoziologie ist der Kompetenzbegriff insbesondere im Hinblick auf „Professionalität“ relevant. Denn Professionalität geht offenbar nicht ‚einfach‘ aus der Zugehörigkeit zu einer Profession hervor, sondern erweist sich als eine Zuschreibung im Rekurs auf Kompetenz: auf kompetentes Handeln bzw. die überzeugende Darstellung von Kompetenz. Die Frage, aufgrund welcher (Arten und Weisen von) Darstellungen wir Akteuren Professionalität bzw. professionelle Kompetenz attestieren, eröffnet ein noch weitgehend unergründetes Forschungsterrain, in dem alltagssprachliche Konnotationen der Attribuierung und Qualifizierung von Haltungen und Handlungen als ‚professionell’ nicht ignoriert werden dürfen.

Der Arbeitskreis „Professionalität und Kompetenz“ versteht sich als ein Netzwerk von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, die an einer theoretischen und empirischen Klärung von Kompetenz und Professionalität interessiert sind. Denkbar sind verschiedene Formen der Zusammenarbeit: vom persönlichen Austausch über Begegnungen im Rahmen von Workshops und Tagungen bis hin zu Forschungs- und Publikationskooperationen. Der Arbeitskreis will dabei insbesondere auch den Austausch über den deutschsprachigen Raum hinaus anregen.

 

Kontakt:

PD Dr. Thomas Kurtz                                             

thomas.kurtz@uni-bielefeld.de                 

 

Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer

pfadenhauer@soziologie.uka.de

 

 

3. Arbeitskreis „Neue Professionalität“

 

Der Arbeitskreis „neue Professionalität“ in der Sektion Professionssoziologie vernetzt Forschung, die sich empirisch wie theoretisch mit Professionalität und Professionalisierungsprozessen in wissensbasierten Dienstleistungsfeldern jenseits der etablierten Professionen befasst. Anknüpfungspunkte für die Debatte entstammen im Wesentlichen der jüngeren internationalen Professionssoziologie, in der sowohl die vielfältige Anrufung von Professionalität auch in nicht-professionalisierten Dienstleistungsfeldern als auch die tatsächliche Bemühungen um die Durchsetzung neuer Berufsrollen im Sinne von „professional projects“ in den Blick geraten sind.

Als weiterer analytischer Rahmen wird auf die Diskussion der sich herausbildenden Wissensgesellschaft abgehoben, die Wissen einen neuen und teilweise widersprüchlichen sozialen Stellenwert zuweist. Schlüsselkonzepte wie Expertenwissen, Zuständigkeitsmonopol und die marktferne Organisierung der Professionen erhalten in diesem Kontext eine neue Deutungs- und Handlungsbasis. Dies zeigt sich zunehmend in den klassischen Professionen, charakterisiert jedoch in grundlegender Weise Konzepte und Strategien von Professionalität in nicht etablierten akademischen Dienstleistungsberufen.

Ein zentrales Feld von Interesse bildet der Bereich der Kunst- und Kulturarbeit sowie jene Berufsfelder, die durch die Entwicklung der Medien und Kommunikationstechnologien quantitativ wie qualitativ an Bedeutung gewonnen haben. Inwieweit professionssoziologische Ansätze zur Analyse dieser Berufsfelder beitragen können und umgekehrt, welchen Erträge die Perspektive auf dieses „neue“ Feld für die professionssoziologische Debatte gewonnen werden können, wird im Rahmen verschiedener Aktivitäten des Arbeitskreises herausgearbeitet. 

 

Kontakt:

Dr. Christiane Schnell

Institut für Sozialforschung Frankfurt a. M.

Tel.: 069 – 75618344

Ch.Schnell@em.uni-frankfurt.de

 

 

4. Arbeitskreis „Profession und Beratung“

 

Das Interesse an der Einrichtung einer AG „Profession und Beratung“ versteht sich keineswegs von selbst. Auch wenn die unterschiedlichen Formen professionellen Handelns selbstverständlich nicht durch das Beratungshandeln erschöpfend beschrieben sind, darf doch Beratung als ihr gemeinsamer Nenner gelten. Immer geht es auch um den Transfer professioneller Expertise in ein Praxisfeld. Insofern ist dieses Thema bereits in allen anderen professionssoziologischen Betrachtungen implizit (Pfadenhauer 2005).

Zu beobachten ist jedoch, dass das Beratungshandeln zunehmend selbst explizit zum Thema professioneller wie auch professionssoziologischer Reflexion avanciert. Nicht erst die Anwendung von Wissen, sondern der Interaktionsprozess zwischen Professionellem und Klienten wird als professionell zu kontrollierende Intervention interpretiert. Damit hat sich eine neue Aufmerksamkeit für die Beratungsbeziehung und den Beratungsprozess ausdifferenziert, die als eine Entwicklung von der professionellen Beratung zur Professionalisierung von Beratung beschrieben werden kann.

Die Professionalisierung von Beratung wird weiterhin als eine bestimmte „kommunikative Gattung“ (Luckmann) betrachtet, deren Basis in der Institutionalisierung von Vertrauensverhältnissen liegt. Aber die Reflexions- und Rationalisierungsanforderungen für die Entwicklung einer Theorie der Beratung (Schützeichel 2004) gehen darüber hinaus und nehmen das „System Beratung“ (Steiner 2009) selbst in den Blick.

Beratungsbeziehungen stellen sich nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Fachexpertise, sondern auch aufgrund der andersgearteten Beratungssettings jeweils äußerst unterschiedlich dar: Personenbezogene Beratung (Mikroebene), Unternehmens- bzw. Organisationsberatung (Mesoebene) und Politikberatung (Makroebene) implizieren äußerst verschiedene Anforderung an den Beratungsprozess selbst, d.h. an die Sicherstellung eines erfolgreichen Wissenstransfers bzw. eine problemadäquate Wissensgenerierung im Beratungsprozess (Mayntz et al. 2008).

Die Professionalisierung der Beratung fokussiert zunehmend die Konzeption, Organisation und Durchführung des Beratungsprozesses zum einen als einen bisher vernachlässigten Teil der professionellen Leistung im Rahmen der etablierten Professionen wie z.B. der medizinischen Behandlung und zum anderen als ein sich zunehmend ausdifferenzierendes und weitgehend eigenständiges Dienstleistungsangebot wie z.B. in der Management- und Organisationsberatung (Schein 2000). Das professionelle Beratungshandeln zwischen Professionellem und Klienten wird selbst einer methodischen, professionellen Reflexion unterzogen. Diese Konzentrierung auf das Beratungshandeln hat inzwischen zu ersten Ansätzen einer eigenständigen Beratungswissenschaft und der Einrichtung eines universitären Masterstudiengangs Beratungswissenschaften geführt.

Die aus dieser Perspektive zu stellenden und theoretisch wie empirisch zu prüfenden Fragen können hier nur angerissen werden und sollten gerade durch die Arbeitsgruppe „Profession und Beratung“ weiterentwickelt werden.

Das vorrangige Interesse gilt sicher der Frage, wie sich die Kommunikations- und Interaktionsbeziehungen im Beratungsprozess gestalten? Wie beeinflusst das Beratungshandeln z.B. die Handlungsautonomie des Klienten? Welche Metamorphosen durchläuft die professionelle Expertise im Prozess ihrer Implementierung in der Praxis? Wie unterscheiden sich die Wirkfaktoren von Beratung in den unterschiedlichen Settings? Vor allem interessiert die Frage, wie sich der Erfolg bzw. Misserfolg von professioneller Beratung selbst wissenschaftlich kontrollieren lässt bzw. inwieweit wir durch die Unterstellung eines Beratungserfolgs in einer „soziologischen Nativität“ befangen sind (Naschold 1998: 22, z. n. Howaldt et al. 2001: 160) – nicht nur im Kontext wissenschaftlicher Politikberatung (Buchholz 2008).

Diese Fragen berühren zugleich die Methodenfragen, die die sehr unterschiedlichen Komplexitätsniveaus je nach Beratungsgegenstand und –setting ebenso zu reflektieren haben wie auch die Unterschiede des Feldzugangs.

An wissenschaftlich orientierte Beratungsleistungen werden von den Nachfragern große Erwartungen geknüpft und deshalb oft lukrative Preise gezahlt. Beratung ist ein wichtiger, internationaler Wachstumsmarkt. Der überall konstatierte Zuwachs an Komplexität lässt in zunehmendem Maß professionelle Beratung als Ressource rationaler Risikoabsicherung kollektiven wie individuellen Handelns erscheinen. Zugleich stellt sich die Frage, welche gesellschaftlichen Interessen und politischen Ideologien durch sich in den Beratungsmoden und -methoden dokumentieren und die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen. Durch die Untersuchung der unterschiedlichen Konjunkturen sich wandelnder Beratungsbedarfe, -anlässe und -angebote wie der Veränderungen der Beratungsprozesse selbst lassen sich daher Einblicke in gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse gewinnen.

Nicht zuletzt steht unter der Überschrift „Profession und Beratung“ auch ein Stück disziplinäre Selbstklärung zur Diskussion, sofern die Soziologie nicht nur Beratung als soziales Geschehen untersucht, sondern beansprucht, selbst Wissensressourcen für Beratung bereitzustellen und Soziologen als Anbieter von Beratung auftreten und „angewandt Soziologie“ betreiben (Blättel-Mink et al. 2008).

Darüberhinaus ergeben sich neue und für die Forschung produktive Schnittmengen zu anderen Forschungsschwerpunkten auch innerhalb der DGS, wie beispielsweise der Organisationssoziologie und der Netzwerkforschung, aber auch der Evaluationsforschung. Für diese Fragestellungen sehe ich einen wachsenden Diskussionsbedarf. Es erscheint mir deshalb äußerst attraktiv, eine Arbeitsgruppe „Profession und Beratung“ einzurichten.

 

Literatur:

Blättel-Mink, Birgit/ Kendra Briken / Andreas Drinkuth/ Petra Wassermann (Hg., 2008): Beratung als Reflexion. Perspektiven einer kritischen Berufspraxis für Soziolog/inn/en. Berlin.

Buchholz, Kai (2008): Professionalisierung der wissenschaftlichen Politikberatung? Interaktions- und professionssoziologische Perspektiven. Bielefeld.

Howaldt, Jürgen/ Ralf Kopp (2001): Der langsame Abschied vom Verkündigungsmodell. Methodische Konsequenzen einer reflexiven Programmatik der Organisationsberatung. In: Nina Degele/ Tanja Münch/ Hans J. Pongratz/ Nicole J. Saam (Hg.), Soziologische Beratungsforschung. Perspektiven für Theorie und Praxis der Organisationsberatung. Opladen, S.159-176.

Luckmann, Thomas (1986): Grundformen der gesellschaftlichen Vermittlung des Wissens: Kommunikative Gattungen. In: Friedhelm Neidhart/ M. Rainer Lepsius/ Johannes Weiss (Hg.): Kultur und Gesellschaft (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderband 27): Opladen, S. 191-221.

Mayntz, Renate/ Friedhelm Neidhardt/ Peter Weingart/  Ulrich Wengenroth (Hg., 2008): Wissensproduktion und Wissenstransfer. Wissen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Bielefeld.

Pfadenhauer, Michaela (Hg., 2005): Professionelles Handeln. Wiesbaden.

Schein, Edgar (2000): Prozessberatung für Organisation der Zukunft. Köln

Schützeichel, Rainer/ Thomas Brüsemeister (Hg., 2004): Die beratende Gesellschaft. Zur gesellschaftlichen Bedeutung von Beratung. Opladen.

Steiner, Adrian (2009): System Beratung. Politikberater zwischen Anspruch und Realität. Bielefeld.

 

Kontakt:

Dr. Beate Fietze

Berlin Graduate School of Social Sciences

Institut für Sozialwissenschaften

Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den Linden 6, 10099 Berlin

Sitz: Luisenstraße 56,  10115 Berlin

fon: + 49 - 30 - 2093-5355

beate.fietze@sowi.hu-berlin.de

 

 

5. Intersektionaler Arbeitskreis „Profession und Organisation“

 

Professionen und Organisationen sind wichtige Formen der Strukturierung von Arbeit und der Positionierung von Individuen im sozialen Raum. Sie bestimmen und legitimieren zugleich in wesentlichem Maße die Position, den Einfluss, die Ressourcen und den Grad der Autonomie, den Menschen in einer Gesellschaft besitzen.

Ziel dieses intersektionalen Arbeitskreises sollte es in der Zusammenarbeit mit der AG Organisationssoziologie sein, sich mit der wechselseitigen Durchdringung von Professionen und Organisationen auseinanderzusetzen, durch empirische Studien zu unterfüttern und so zum besseren Verständnis ihrer Wirkungsweise beizutragen.

Der Arbeitskreis würde damit die Diskussionen über die Zusammenhänge von Professionen und Organisationen aus den 60er und 70er Jahren (vgl. Tolbert/Barley 1991) und die Beiträge aus der Sektion Professionssoziologie und der AG Organisationssoziologie (vgl. z.B. Stichweh 1988, Corsten 2001, Heisig 2005: 27ff., Klatetzki/Tacke 2005) weiterführen.

Vier Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt:

  1. Wodurch zeichnen sich professionelle Organisationen aus? Wie wirkt sich professionelles Handeln, wie wirken sich professionelle Kulturen auf Organisationen aus? Welche Spannungen ergeben sich zwischen Professionen und Organisationen und wie werden diese bewältigt und in mikropolitischen Auseinandersetzungen genutzt?
  2. Wie verändert sich professionelles Handeln, wenn es in hierarchische Organisationen eingebunden wird? Wie wirken Hierarchie, Spezialisierung, Arbeitsteilung und abhängige Beschäftigung auf professionelles Handeln, auf Professionalisierungs- bzw. Deprofessionalisierungsprozesse?
  3. Welche Rolle spielen Berufsverbände im Prozess der Professionalisierung? Wie treiben solche Organisationsformen den Prozess der Professionalisierung voran, bzw. wie reagieren diese auf Prozesse der Deprofessionalisierung?
  4. Wie verändert sich das Verhältnis von Profession und Organisation im Zuge des sozialökonomischen und politischen Strukturwandels? Welche Rolle spielen diese Institutionen als Agenten dieses Wandels? Welche Unterschiede zeigen sich im internationalen Vergleich oder im Vergleich von Funktionssystemen und Branchen?

Auf Tagungen, in Monographien und Sammelbänden sollen die Beiträge zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen zur Diskussion gestellt werden.

                                                                                                                                                           

Kontakt:

Vertr.-Prof. PD Dr. Maja Apelt
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Holstenhofweg 85, 22043 Hamburg
Tel.: 040-6541-2824, e-mail: apelt@hsuhh.de
http://www.hsu-hh.de/orgasoz

 

 

6. Arbeitskreis Management und Profession

 

Mit dem Arbeitskreis Management und Profession fokussieren wir die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit professionalisiertem Management in Not-for-Profit Organisationen sowie Professionalisierungs- und Professionalitätsdiskussion im Management schlechthin. Management und Managementhandeln soll dabei unter der Perspektive Professionalität / Professionalisierung sowie als professionelles Handeln in wissensbasierten Berufen und sozialen Dienstleistungen diskutiert werden. Damit wollen wir einerseits eine Möglichkeit schaffen, die diversen Aspekte und Formen von Management, wie etwa Führung, Organisationsentwicklung, Leadership, Entrepeneurship bis hin zum Selbstmanagement zu diskutieren. Andererseits wird unter dieser Perspektive Managementhandeln als Problemlösungshandeln rekonstruiert. Hier kommen die spezifischen Kompetenzen, Können – Wissen – Haltung, die Akademisierung, berufliche Identität bis hin zu Dilemmata managerialem Handelns u.v.m. in den Blick. Zwei Blickrichtungen werden für die Arbeit des Arbeitskreises entscheidend sein.

  • Mit dem Fokus, Management unter einem professionstheoretischen Blickwinkel zu betrachten, ist die Einschätzung verbunden, dass dem Management von – und in – Non-for-Profit Organisationen aber auch Management seinen unterschiedlichsten Handlungskontexten vor dem Hintergrund massiver Herausforderungen, der ständigen Zunahme von Komplexität, Kontingenz und Entscheidungsdruck in unterschiedlichsten Sektoren ein Bedeutungszuwachs zukommt. Ökonomisierungsdruck und erhöhte Koordinationsanforderungen im sozialen Dienstleistungssektor auf der einen, die Herausforderungen durch Wirtschaftskrise, Modernisierung und wissensbasiertem Handeln auf der anderen Seite führen gerade bezüglich der leitenden Berufspositionen zu Professionalisierungsforderungen.
  • Ebenso sollen die Diskussionen Berücksichtigung finden, die sich mit der Managementorientierung in professionalisierten Berufen auseinandersetzen, mit ‚Mangerialism’ in Professionen, professionellem Handeln und dessen (angenommene) Überformung, mit der Veränderung professioneller Leistung vor dem Hintergrund des Einsatzes von Managementinstrumenten bis hin zur Managementkompetenz der Professionals, sei es der ‚Practitioner’ oder derjenigen, die sich in professionsspezifischen Führungspositionen befinden.

Mit dem Arbeitskreis laden wir dazu ein, empirische Erträge und konzeptionelle Überlegungen zur Professionalisierung des Managements aber auch Managementorientierung der Profession(alität) zu präsentieren und zu diskutieren. Der Arbeitskreis will Erkenntnisse zusammenführen und Perspektiven eröffnen, wie ein professionelles Management rekonstruiert oder konzeptionalisiert werden kann, aber auch welche Diskussionsperspektiven sich unter dem professionstheoretischem Blickwinkel für die Managementforschung eröffnen. Welche Formen des ‚professionellen’ Managements zeichnen sich bereits ab? Welche Kompetenzen haben und brauchen Führungs- und Leistungskräfte im Nonprofit-Sektor/im Mangement, um die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen meistern zu können? Muss Professionalisierung von Management als ständiger Anpassungsprozess rekonstruiert werden - als ein Art ‚life long problem solving learning’ also an der Schnittstelle von Organisationsentwicklung, Innovation und wertorientierter Bedarfsanpassung? Folgende Problemstellungen können zur weiteren Konkretisierung der Fragestellung dienen:

  • Unternehmensführung und Management: Kostendruck, Wettbewerb und Europäisierung, Dominanz großer Verbände oder Fraktalisierung der Unternehmen?
  • Gestaltung professioneller Organisationen zwischen Netzwerk und Prozessmanagement
  • Personalführung und Human-Ressource-Management: Koordination professioneller Ressourcen zwischen neuen Hierarchien und Selbststeuerung.
  • Kooperation zwischen Management und anderen Professionals: Manager als Pari inter pares oder Abgrenzung eines neuen Berufstandes innerhalb der Profession?
  • Corporate Governance der Non-for-Profit Unternehmung
  • Vertrauen und Management: Verdrängung ‚idealtypischer’ professioneller Steuerungsmechanismen wie Autonomie, berufständische Organisation, Ethik oder die Transformation zu neuen Kriterien des Vertrauens?
  • Management-Qualifikation und Akademisierung managerialer Weiterbildung: Entwicklung organisationaler Kompetenzen durch ‚learning by doing’ oder (wirtschafts)wissenschaftlichem Bezugs-Wissen?
  • Professioneller Habitus auch unter Managern?
  • Arbeitskraftunternehmertum und Selbstmanagement: Leihärzte und Honorarstellen, befristete Beschäftigung und Selbstvermarktung professioneller Praktiker.
  • (Neue) Karriereverläufe der Professionals: Wie werden Führungspositionen in Nonprofit-Unternehmen besetzt? Droht ein Führungskräftemangel?
  • usw.

Die hiermit skizzierten Zugänge sollen jedoch nicht verdecken, dass Profession und Management lange Zeit als Gegensätze diskutiert wurden. Mit Profession und Professionalität wird zumeist die interne Kontrolle von Leistung durch berufständische Organisation, berufliche Identität, Professionsethik usw. als spezifische Steuerungs- und Kontrollmechanismen in Verbindung gebracht. Aus dieser Perspektive wird nicht selten die Konjunktur von Managementmethoden und Managementdenken in professionellen Handlungskontexten als „Managerialismus“ rekonstruiert, mit dem, unabhängig vom jeweiligen Gegenstandsbereich, ökonomisch orientierte Instrumente adaptiert werden und im Bereich von eben nicht gewinnorientierten Unternehmen eingesetzt werden. In Managementdiskursen wird der Begriff Professionalität dagegen im Sinne von Steuerung und Selbstdisziplinierung instrumentalisiert.

Anstelle dieser Entgegensetzungen bedeutet das Zusammendenken von Profession(alität) und Management, gerade die Interdependenz von interner und externer Kontrolle, das Abwägen von fachlichen und ökonomischen Kriterien, die Problemlösung zwischen wissenschaftlichem Wissen und ökonomischen Anforderungen bzw. das (relativ) autonome Handeln in organisationalen Rahmenbedingungen zu betrachten.

Der damit skizzierte Weg, die Begriffe Professionalität, Professionalisierung sowie professionelles Handeln auch auf das Management anzuwenden, schließt an aktuelle Entwicklungen in der deutschsprachigen sowie angloamerikanischen professionstheoretischen Debatte an, wonach sich die damit bezeichneten Phänomene auch jenseits der klassischen, idealtypischen Professionen auffinden lassen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Andreas Langer

Hochschule für angewandte Wissenschaften HAW-Hamburg

Fakultät Wirtschaft und Soziales

Standort Saarlandstr. 30

22303 Hamburg

andreas.langer@sp.haw-hamburg.de

 

 

7. Arbeitskreis „Gesundheitsberufe“

 

Die Gesundheitsberufe sind ein nachgerade klassischer Gegenstand soziologischer Berufs- und Professionsforschung. Das gilt natürlich in erster Linie für den Ärztestand als Bezugspunkt der theoretischen und empirischen Professionsforschung; das gilt aber auch für die Kranken- und Altenpflege als Folie der frühen genderorientierten Berufsforschung.

Derzeit befinden sich gerade die Gesundheitsberufe in einem dynamischen Wandlungspro­zess: Die Ärzteschaft sieht sich schon seit Längerem und in immer neuen Facetten mit erheblichen Veränderungen der eigenen Lage und Arbeit konfrontiert. Die Pflegeberufe und die nicht-ärztlichen therapeutischen Berufe sind – berufs- und bildungspolitisch getrieben – in einen Prozess der Akademisierung eingetreten.

Das Feld der Gesundheitsberufe ist in Bewegung geraten. Wohin der Weg führt, ist derzeit jedoch unklar. Noch zeichnen sich keine klaren neuen Strukturen für die zukünftige Gestaltung der einzelnen Berufe und deren innerberufliche bzw. zwischenberufliche Arbeitsteilung ab. Die mit dem Bolognaprozess einhergehenden bildungspolitischen Veränderungen verschärfen diese Unübersichtlichkeit.

Aufgabe des Arbeitskreises wird es sein, diese Entwicklungen zu beobachten und empirisch zu untersuchen, sie analytisch einzuordnen und ggf. auch begleitend, beratend und gestaltend an den Prozessen mitzuwirken. Diese Arbeitsschritte bedingen die Auseinandersetzung mit den neueren Entwicklungen der Berufs- und Professionstheorie, wie sie diese auch befruchten können. Von daher bietet sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Professionstheorie“ der Sektion an.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Heinrich Bollinger

Hochschule Fulda

Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Marquardstraße 35

36039 Fulda

Heinrich.bollinger@sk.hs-fulda.de

0661-9640-480

 

 

8. Arbeitskreis „Professionstheorie“

 

Für die Klassiker der Soziologie stellte die Beschäftigung mit Berufen und Professionen einen integralen Bestandteil der soziologischen Theoriebildung dar. Sie galten ihnen als zentrales Kennzeichen der modernen Gesellschaft und zugleich als Schlüsselphänomen für die theoretische Erfassung ihrer Strukturen.  Professionstheorie ist in diesem Sinne nicht nur Bestandteil der Professionsforschung/-soziologie, sondern zugleich selbst soziologische Theorie.

Das Ziel des Arbeitskreises „Professionstheorie“ wird es sein, an dieser integralen Verbindung zur soziologischen Theorie und Gesellschaftsanalyse weiterzuarbeiten, indem unter anderem untersucht werden soll, inwieweit sich die von der Professionsforschung herausgearbeiteten Merkmale der Professionen in andere Bereiche der Gesellschaft ausbreiten. Zu denken ist dabei etwa an die von den klassischen Professionen kultivierte Form einer „Solidarität und Fremden“, an die zuerst an den Professionen untersuchten Unsicherheiten im beruflichen Handeln, an Interaktionsbeziehungen zwischen Experten und Klienten, daran, dass die professionelle Handlungs- und Problemlöseform sich heute ähnlich auch bei den modernen Wissensberufen in der Wissensgesellschaft findet und schließlich an das seit einigen Jahren zu beobachtende Aufgreifen professionssoziologischer Themen in der Organisationsforschung.

An diesen Themen interessierte Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler sind eingeladen am Arbeitskreis „Professionstheorie“ mitzuarbeiten, etwa auf Workshops und Tagungen oder in Form von Kooperationen bei Forschungs- und Publikationsprojekten.

 

Kontakt:

PD Dr. Thomas Kurtz                                             

thomas.kurtz@uni-bielefeld.de                 

 

Prof. Dr. Kai-Olaf Maiwald

Kai-Olaf.Maiwald@uni-osnabrueck.de